Niclas Aleff (Nr. 222) - einer der hoffnungsvollsten Bremer Starter bei der Junioren-DM
DM Junioren - Vorschau
22.06.2011: (mg) - Es ist reiner Zufall, und doch trägt es ein Stück Symbolik in sich. Vor auf den Tag genau zehn Jahren fand mit dem Leichtathletik-Europacup im Weserstadion die letzte wirkliche Leichtathletik-Großveranstaltung im kleinsten Bundesland Bremen statt. Am Sonnabend und Sonntag ist diese Durststrecke zu Ende. Auf der Sportanlage Obervieland richtet der Bremer Leichtathletik-Verband (BLV) die Deutschen Meisterschaften der Junioren aus.Das neue Stadion im Süden Bremens ist die Ersatzanlage für die Leichtathletikanlage im Weserstadion, die ja bekanntlich dem Stadionausbau zum Opfer fiel. Acht Rundbahnen sind nötig, um eine derartige überregionale Meisterschaft mit zurzeit rund 830 Einzelmeldungen stemmen zu können. Der Ausbau im Stadion des TuS Komet Arsten konnte gerade noch rechtzeitig abgeschlossen werden, worüber sich BLV-Präsident Dr. Matthias Reick außerordentlich freute. Schließlich hatte namentlich er als Verbandschef immer wieder auf der politischen Ebene für den Weserstadion-Ersatz geworben und für Bremen schon im Winter 2009 den Ring bei der Bewerbung um die Junioren-DM in den Hut geworfen. „Als Qualifikationswettkampf vor den internationalen Höhepunkten erwarten wir zu Recht spannende Wettkämpfe mit hoher Dramaturgie“, hebt Matthias Reick den hohen sportlichen Stellenwert dieser Veranstaltung hervor.
In der Tat, es werden nicht nur die Titel bei den deutschen U23-Athletinnen und Athleten vergeben, meist geht es noch um viel mehr. „Deutsche Juniorenmeisterschaften waren schon immer ein Sprungbrett für spätere Erfolge bei den ‚Großen’. Viele der hier siegreichen Athleten werden in den kommenden Jahren auch bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen und Männer auf dem Siegertreppchen stehen“, sagt Dr. Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Er wünscht sich naturgemäß viele Normerfüllungen in Bremen für die im Juli in Ostrava/Tschechien stattfindende U23-Europameisterschaft und auch den einen oder die andere Athletin, die vielleicht sogar noch auf den Zug zur Weltmeisterschaft der Frauen und Männer im südkoreanischen Daegu aufspringen kann.
Die Meldeliste mit einigen bekannten Namen läßt jedenfalls darauf hoffen. Da wären beispielsweise bei den Frauen die beiden schnellen 100-Meter Sprinterinnen Yasmin Kwadwo (TV Wattenscheid 01) und Leena Günther (LT DSHS Köln), die sich beide Chancen auf eine Staffelnominierung für Daegu machen können. Über 100 Meter Hürden benötigt Cindy Roleder vom LAZ Leipzig, die EM-Halbfinalistin von Barcelona aus dem vergangenen Jahr, nur noch zwei Hundertstelsekunden zur WM-Norm von 12,96 Sekunden. Der Hochsprung sieht Marie-Laurence Jungfleisch (LAZ Salamander-Kornwestheim-Ludwigsburg) ganz vorne in der Meldeliste, sie wird bei guten Witterungsbedingungen an der WM-Norm von 1,95 Metern kratzen. Und außerdem dürfen sich die Zuschauer auf Jana Sussmann von der LG Nordheide über 3000 Meter Hindernis freuen. Die 20-Jährige lief am vergangenen Sonntag beim Europacup in Stockholm ein bravouröses Rennen auf Rang drei und verfehlte die Norm für Daegu nur um 23 Hundertstelsekunden.
Bei den Herren rücken klar zwei technische Disziplinen in den Blickpunkt. Kugelstoßer David Storl (LAC Erdgas Chemnitz) setzte gerade mit seinem Europacup-Sieg von 20,81 Metern und dem Erfolg über Olympiasieger Tomasz Majewski (Polen) ein gehöriges Ausrufezeichen. Außerdem sind im Stabhochsprung mit Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) und Karsten Dilla (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) die Nummer eins und zwei in Europa bei den U23-Springern am Start.
Der SV Werder Bremen schickt das Lokalkolorit ins Rennen. Niclas Aleff (400 Meter Hürden), Max Hentschel (400 Meter) und Luca Willmann (200 Meter) sind bei den Junioren über Einzeldistanzen gemeldet, während Yvonne Jungen über 400 Meter Hürden die Bremer Fahne der Juniorinnen hoch hält. Hinzu kommen die männliche und weibliche 4x100-Meter-Staffeln sowie das 4x400-Meter-Junioren-Quartett. "Insgesamt muss man sagen, dass alle unsere Athleten noch der A-Jugend angehören und im Prinzip nur gegen deutlich ältere Athleten laufen. Das sie sich qualifiziert haben und das mit solchen Leistungen, ist schon super“ sagt Werders Coach Andrei Fabrizius. Eins gilt aber für alle Sprinter: Die neue Anlage in Obervieland ist schnell. Wenn es wie erhofft zu den Finals Rückenwind geben sollte, dürften Rekorde und Bestleistungen das Resultat der ersten „großen“ Meisterschaft in Bremen seit zehn Jahren sein.
