Silber für Tilgner und Nytra

22.02.2009: (mg) - Es waren Wimpernschläge, die gestern bei den 56. Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften gefehlt haben, damit Bremer Athleten mit insgesamt drei Goldmedaillen nach Hause hätten fahren können. Denn nach dem ersten Bremer Hallentitel überhaupt von Sebastian Bayer (Bremer LT/TuS Komet Arsten) am Sonnabend im Weitsprung (wir berichteten im Kurier am Sonntag) liefen die Teamgefährtinnen Jonna Tilgner (400 Meter) und Carolin Nytra (60 Meter Hürden) jeweils zur Silbermedaille.
Vier Hundertstelsekunden (Tilgner) sowie zwei Hunderstel (Nytra) lagen die beiden Bremerinnen im Ziel zurück. Dabei gab es bezüglich der Bewertungen der knappen Niederlagen unterschiedliche Reaktionen der Athletinnen. Während sich Carolin Nytra noch im Ziel mächtig ärgerte, sah man im Gesicht von Jonna Tilgner ein gewohntes Strahlen. Ihre Zufriedenheit rührte von einem tollen Duell mit der zweifachen Deutschen Hallenmeisterin Claudia Hoffmann vom SC Potsdam her. Hier die Chronologie: Claudia Hoffmann startete am Sonnabend zunächst über 800 Meter, schied dort im Vorlauf aus und nahm dann überraschend wenig später auch im Vorlauf über ihre Spezialstrecke, die 400 Meter Aufstellung. „Sie hat gezeigt, dass sie es noch kann“, anerkannte Jonna Tilgner die Leistungen ihrer Staffelkameradin von Peking. Im Finallauf machte die Bremerin eigentlich alles richtig, lief zunächst auf die Potsdamerin auf, lag 100 Meter vor dem Ziel günstig auf der zweiten Position und zog ausgangs der Zielkurve ihren starken Schlussspurt an. „Die Finte hat Claudia aber gerochen und den Schwung von außen gut genutzt. Erst aus der Kurve heraus konnte ich wieder richtig treten und wäre gerne noch vorbeigelaufen“, sagte Jonna Tilgner unmittelbar nach dem Rennen. Aber auch so standen mit 53:21 Sekunden eine neue persönliche Hallenbestzeit und die Verteidigung der Silbermedaille von Sindelfingen zu Buche.
Carolin Nytra brauchte etwas, bis der Ärger verraucht war. Trotz 8,09 Sekunden im Finale - nur eine Hundertstelsekunde über ihrer Bestzeit – und einem guten Gefühl vor dem Lauf wurde sie nur Zweite hinter Nadine Hildebrand vom LAZ Salamander Kornwestheim. „An der fünften Hürde bin ich mit dem Nachziehbein hängen geblieben. Dann hab ich noch Druck gemacht und mich nach vorne gelegt, lief aber schon verdreht“, analysierte Carolin Nytra ihr Rennen, in dem sie mit einem Sprung ins Ziel noch versuchte, den Titel zu ergattern. Doch ihre Konkurrentin lag knapp vorn. Dr. Matthias Reick, Präsident des Bremer Leichtathletik-Verbandes, der sowohl die Siegerehrungen über die Kurzhürden als auch über 400 Meter vornahm, maß Nytras Niederlage keine übergroße Bedeutung bei: „Nadine Hildebrand war die Saison über eben konstanter.“BLT-Trainer Jens Ellrott war mit dem Erreichten hochzufrieden. „Klar tut der zweite Platz von Caro etwas weh, aber insgesamt sind die drei Medaillen mit Abstand das bisher beste DM-Ergebnis für Bremen. Auch Anne Marchewski mit Saisonbestleistung von 8,58 Sekunden im Halbfinale über die 60 Meter Hürden hat dazu beigetragen.“ Für die Hansestadt waren auch Athleten des SV Werder in Leipzig am Start. Über die 60 Meter Hürden kamen Malte Schwarting (8,17 Sekunden), Alexander Thyme (8,30) und Felix Wedekämper (8,35) nicht ganz an ihre Saisonbestleistungen heran, somit kamen sie nicht ins Finale. Die beiden Staffeln über 4x200 Meter liefen die Grün-Weißen fast in gleicher Besetzung: Bruno Gärtner, Christian Siegmund, Pascal Nobel und Alexander Thyme beziehungsweise Felix Wedekämper über 4x400 Meter für Alexander Thyme. Die Platzierungen: 10. über 4x200 in 1:28,77 Minuten und 9. über 4x400 in 3:23,20.