Oliver Leu bei 24-Stunden-WM in Seoul

16.10.2008: (mg) - Nach den beiden Olympia-Starterinnen Carolin Nytra und Jonna Tilgner hat mit Oliver Leu ein weiterer Bremer Leichtathlet die Berufung in einen deutschen Nationalkader erhalten. Dass der 34-Jährige von der LG Bremen-Nord bisher noch nicht im Fokus der Medien steht, liegt an seiner Disziplinwahl, dem nicht-olympischen 24-Stunden-Lauf. Dennoch erfordern die Qualifikation und die Teilnahme an der Weltmeisterschaft am kommenden Sonntag in Südkorea eine professionelle Vorbereitung. Vor seinem Abflug nach Seoul sprach Matthias Thode mit dem Ultraläufer Oliver Leu.

  Frage: Wie hast Du Dich für das deutsche Team qualifiziert?   Oliver Leu: Mit meinen gelaufenen 221 Kilometern im 24-Stunden-Lauf von Delmenhorst. Da zwei Kontrahenten mit stärkeren Vorleitungen nicht im Doping-Kader angemeldet waren, bin ich als Sechster gerade noch ins Team gerutscht. Alle anderen fünf Teammitglieder kommen aus dem Südwesten, ich bin der einzige Norddeutsche.

  Welchen Stellenwert hat diese Weltmeisterschaft?   In Asien, vor allem in Korea und Japan, ist der Stellenwert für solche Ultraläufe recht hoch und die Leistungsspitze schon enorm. Der Weltmeister der letzten beiden Jahre und erneute Favorit Riochi Sekiya aus Japan hat zum Beispiel eine Leistung von 275 Kilometern stehen. In der Mannschaftswertung bei den Männern ist das Feld mit Japan, USA, Schweden, Russland, Italien und Frankreich, neben uns Deutschen natürlich, sehr eng besetzt.

  Sind keine starken afrikanischen Läufer am Start?   Nein. Es gibt kein großes Geld zu verdienen, dies ist wahrscheinlich der Hauptgrund. Dazu kostet so ein 24-Stunden-Rennen auch viel Subtanz. Wobei die psychische Belastung allerdings die Hauptrolle spielt.

  Was sind Deine Ambitionen in Südkorea?   Erstmal ist es für mich eine große Ehre, dass ich vom DLV die Nominierung erhalten habe. Ich bin gut vorbereitet und möchte meine Bestleistung um 14 auf 235 Kilometer steigern. Dann hätte ich mir schon die direkte Qualifikation für die WM im nächsten Jahr in Italien gesichert. Vielleicht springt mit der Mannschaft dazu auch eine Medaille heraus.

  Wie hält man sich denn 24 Stunden lang überhaupt in Gang?   Man macht schon mal eine kurze Massagepause von 20 Minuten, trinkt jede Stunde 0,5 bis 0,7 Liter und isst Bananen, Kekse, Schokolade oder Salzstangen… 

  …und im Kopf?   In erster Linie denkt man daran, sich ständig und kontinuierlich zu verpflegen. Manchmal unterhält man sich auch oder hört Musik, und man achtet natürlich auf die Rundenzahlen der Konkurrenz. In den letzten Stunden geht es allerdings dann sowieso nur noch ums Durchhalten.

  Wie sieht denn die gezielte Vorbereitung für so eine Extrembelastung aus?   Man muss natürlich viele Kilometer die Woche herunterspulen. Vor vier Wochen habe ich dann noch einen 100-Kilometer-Lauf in Winschoten absolviert. Danach dann die Kilometeranzahl heruntergesetzt aber dafür schnellere Einheiten. In der letzten Phase laufe ich nur noch 15 Kilometer am Stück. Es kommt auch darauf, dass man erholt und ausgeruht in den Wettkampf geht.

  Mit welchen äußeren Bedingungen rechnest Du in Korea?   Das Wetter ist in Seoul im Oktober mit 20 bis 25 Grad am Tag und 10 bis 15 in der Nacht noch recht warm. Nach dem Streckenplan ist die Runde mit 920 Metern recht kurz, sollte aber auch bei 170 Teilnehmern breit genug sein, damit ich zum Schluss noch überholen kann. Dies ist nämlich meine Stärke.