Nytra siegt in Cuxhaven

12.07.2008: (mg) - Carolin Nytra setzte eines der wenigen Glanzlichter beim internationalen Leichtathletik-Meeting „Weltklasse hinterm Deich“ in Cuxhaven. Die Bremerin gewann sowohl den ersten als auch den zweiten Lauf über 100 Meter Hürden jeweils in 12,97 Sekunden. Damit erlief sich die 23-Jährige den einzigen deutschen Sieg in Cuxhaven bei den Frauen.
 
Dabei war bis kurz vor dem Start noch nicht einmal klar ob und wie viele Läufe die Athletin vom Bremer LT/TuS Komet Arsten absolvieren würde. „Bei 13 Grad und Schauerwetter hatte ich gesagt, wir machen hier nur einen Lauf, wenn überhaupt“, wollte Trainer Jens Ellrott Vorsicht bei seinem für Peking nominierten Schützling walten lassen. Pünktlich zum Veranstaltungsbeginn war es jedoch sonnig und trocken geworden, und Carolin Nytra fand den Spaß am Laufen wieder. „Es ging ganz locker, gab sie nach dem ersten Rennen zu Protokoll, und auch in der zweiten Serie, als die Ukrainerin Olena Krasovska, ihres Zeichens immerhin Olympiazweite, plötzlich aufkam, war Carolin Nytra Herrin des Geschehens. „Da bin ich ein bisschen fest geworden, aber dann ging es nach hinten raus wieder sehr gut.“ Es scheint, als ob die Bremerin momentan Zeiten unter 13 Sekunden wie am Fließband produzieren kann.
 
Zumal beim zweiten Rennen sogar noch 1,0 Meter pro Sekunde Gegenwind herrschte. „Mit dem Wind des Folgelaufes, nämlich gutem Rückenwind, hätten wir hier eine 12,7 gesehen“, behauptete Jens Ellrott keineswegs vermessen. Das wäre in Cuxhaven übrigens Meetingrekord gewesen. Aber auch so durfte das Gespann zufrieden die Heimreise antreten, denn auch wenn dieser Doppelstart eine Woche nach den Deutschen Meisterschaften nicht das Optimale im Vorbereitungsprogramm auf den Olympiastart darstellt – am Ende konnten beide sagen, sie haben alles richtig gemacht.
 
Der von Jens Ellrott angesprochene Folgelauf war im übrigen der 100 Meter-Sprintcup der männlichen B-Jugend, in dem sich zwei weitere Bremer dem Publikum präsentierten. David Salzmann vom SV Werder sprintete in 11,35 Sekunden auf den zweiten Platz, Sieger Kevin Lersch von Eintracht Delmenhorst, der in 11,21 Sekunden persönliche Bestzeit rannte, hatte gestern die bessere Tagesform. Tobias Seidel, ebenfalls SV Werder, wurde in 11,65 Sekunden Dritter.
 
Die zweite Bremer Olympiahoffnung, Jonna Tilgner, war über 400 Meter Hürden wegen ihres Trainingslageraufenthaltes in Tirol nicht an der Nordsee am Start. Vielleicht war dies auch ganz gut so, denn ihre Konkurrentin, die deutsche Vizemeisterin Tina Kron aus Saarbrücken, stürzte in Führung liegend an der achten Hürde, verletzte sich aber zum Glück augenscheinlich kaum. So gab es auch hier keinen deutschen Erfolg zu verbuchen.
 
Lediglich bei den Männern lagen DLV-Athleten ganz vorne. Über 110 Meter Hürden siegte der Leipziger Willi Mathiszik in 13,59 Sekunden, während im Stabhochsprung sich mit Lars Bögeling, Malte Mohr und Richard Spiegelburg gleich drei Leverkusener die Podestplätze untereinander aufteilten (alle 5,50 Meter). Michael Möllenbeck (Wattenscheid, 61,35 Meter) siegte zwar im Diskuswurf, verpasste aber die Olympianorm von 64,50 Metern deutlich. Alexander Kosenkow (Wattenscheid) war über 200 Meter in 20,77 Sekunden Schnellster, Daniel Schnelting (Rhede) verpaßte als Dritter in 22,90 die Olympianorm deutlich, und im letzten Rennen des Tages lag über 1500 Meter Franek Haschke aus Berlin in 3:42,15 Minuten ganz vorn.