DM-Gold für Jonna Tilgner und Carolin Nyra

06.07.2008: (mg) - Noch nie gab es zwei DM-Titel in einem Jahr für Bremern - noch nie zwei Athleten, die sich für Olympia qualifizieren konnten ! - Jonna Tilgner macht den Zweifachtriumpf in Nürnberg perfekt.
 
„Wenn wir nicht mit zwei Titeln nach Hause kommen, haben wir ein Erklärungsproblem“, befürchtete Jens Ellrott angesichts der Favoritenstellung seiner Athletinnen im Vorfeld der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg. Jonna Tilgner hat ihrem Trainer mit einem souveränen Sieg über 400 Meter Hürden am zweiten Tag der DM dieses Problem erspart.
 
Die Läuferin vom Bremer LT/TuS Komet Arsten schaffte damit Gleiches wie schon ihre Vereinskameradin Carolin Nytra über 100 Meter Hürden am Vortag: Den DM-Titel und eine klasse Zeit. „Jens hat noch nie einen 55er-Lauf von mir gesehen, also haben wir gesagt, es sei jetzt mal an der Zeit“, scherzte eine mehr als glückliche Jonna Tilgner nach der Siegerehrung mit der Goldmedaille um den Hals. 55,73 Sekunden bedeuteten persönliche Bestzeit und ein Riesenvorsprung vor der Zweiten, Tina Kron (SV Schlau.com Saar 05 Saarbrücken, 57,11 Sekunden). „Es war sicher der optimale Lauf der bisherigen Saison. Ich habe über den Hürden wenig verloren und konnte auch über den berühmten toten Punkt hinaus noch was tun“, analysierte Jonna Tilgner ihren Rennverlauf, während sie von ihrer Konkurrentin hörte, dass diese zur Hälfte der Strecke ein Stolperer aus dem Rhythmus gebracht hatte. Aber auch so wäre Jonna Tilgner, die auf den Punkt topfit war, gestern nicht zu schlagen gewesen.
 
Denn die Aufregung vor dem großen Auftritt legte sich pünktlich im Call-Room des easy-Credit-Stadions. „Da hatte ich dann kein flaues Gefühl mehr im Magen, und das war auch gut so“, berichtete Jonna Tilgner, während es ihrem Trainer Jens Ellrott ganz anders ging: „Ich selbst war noch nie so nervös vor einem Rennen. Aber genau so wie Carolin Nytra wusste Jonna ganz souverän mit ihrer Favoritenrolle umzugehen. Sie wollte hier gewinnen, wollte Bestzeit laufen und hat das in sympathischer Art und Weise einfach gemacht.“ Und ganz nebenbei löste Jonna Tilgner noch Jens Ellrotts potenzielle Erklärungsprobleme.
 
Wenn überhaupt etwas an diesem aus Bremer Leichtathletik-Sicht perfekten Wochenende gefehlt hat, war dies die Einzelnorm für die Olympischen Spiele in Peking von 55,35 Sekunden. Dennoch wird Jonna Tilgner ihre Klubkameradin Carolin Nytra fast sicher nach China begleiten. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat die Europacup-Staffel über 4x400 Meter mit Jonna Tilgner an der Spitze dem DOSB vorgeschlagen, der gibt seine nächste Nominierung aber erst am 15. Juli bekannt. Eine quälend lange Zeit für die Bremerin? „Nein, wir sind dieses Jahr die achtbeste Staffel in der Welt und im Durchschnitt der letzten beiden Jahre elfte. 16 Staffeln sind qualifiziert. Außerdem geht es am Freitag schon gemeinsam ins Trainingslager, und das würde ja keinen Sinn machen, wenn man hinterher wieder anders entscheidet“, plant auch Jonna Tilgner jetzt fest für das Abenteuer Peking.