CAROLIN NYTRA FÄHRT NACH PEKING
06.06.2008: (mg) - Es ist vollbracht - der Traum wird wahr !Mit einem Paukenschlag hat Carolin Nytra vom Bremer LT / TuS Komet Arsten das Leichtathletik-Wochenende eingeläutet. Die Bremerin lief heute Abend beim Internationalen ASKINA-Meeting in Kassel bereits im Vorlauf mit 12,84 Sekunden eine Weltklassezeit über 100 Meter Hürden sowie das zweite Mal die Olympia-Norm und ist jetzt sicher in Peking dabei.
Bremens zweites Aushängeschild und Nytras Vereinskameradin Jonna Tilgner sicherte sich durch ihren Sieg über 400 Meter Hürden in 56,29 Sekunden ebenso wie Carolin Nytra das Einzelticket für den Europacup in Annecy. Die Norm für Peking von 55,35 Sekunden verfehlte Jonna Tilgner aber erst einmal.
Doch zurück zur Sensation des Abends: „Ich hab’ das noch nicht wirklich realisiert, was hier passiert ist“, gab Carolin Nytra nach dem Endlauf, den sie ebenfalls gewann und zwar ebenfalls unter Olympia-Norm in 12,90 Sekunden, unumwunden zu. „Vielleicht hat man damit gerechnet, dass ich das im Endlauf der Deutschen Meisterschaften laufe, aber doch nicht am schon 6. Juni.“
Nytras Trainer Jens Ellrott sah das „wohl perfekte Rennen“ bei seinem Schützling. „Wir haben nach dem ISTAF in dieser Woche begonnen an Caros vermeintlicher Schwäche, dem Start bis zur dritten Hürde, zu arbeiten. Sie hat hier alles riskiert, schon an der ersten Hürde geführt und hinten raus mit der Klasse wie in Berlin trotz Gegenwind das Rennen gewonnen“, lautete die Kurz-Analyse des Bremer Übungsleiters. Dabei hatte die 23-jährige Bremerin neben sich mit Alexandra Antonova (Russland) und der irischen Hallen-Weltmeisterin Derval O’Rourke zwei der besten Starterinnen aus Europa, doch gestern passte – trotz eines Fehlstarts im Vorlauf - eben einfach alles. Im Endlauf klappte dann erst der vierte Startversuch, weil das Publikum zu laut war. Und Carolin Nytra sah an der achten Hürde die Siegerin des anderen Vorlaufes, die Britin Sarah Claxton (12,96 Sekunden), vor sich. „Da dachte ich mir, dass kannst du dir nicht gefallen lassen und bin an der neunten und zehnten Hürde noch vorbei gezogen.“ Eigentlich kein Wunder, denn Carolin Nytras Lieblingsbahn lag schon immer im Kasseler Auestadion. Nur kurzzeitig, für fünf Tage, wurde es nach dem ersten Fall der Olympia-Norm von 12,92 Sekunden das Rund im Berliner Olympiastadion. Jetzt sind auch diese Verhältnisse wieder zurechtgerückt. Und für 2010 ist Kassel Bewerber um die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften …
Für Jonna Tilgner wird die Luft Richtung Peking-Ticket jetzt auf der einen Seite etwas dünner, andererseits bekommt die Bremerin noch einen zusätzlichen hochkarätigen Lauf beim Europacup geschenkt. In Kassel lief für mehr als die Hälfte des Rennens alles prima, Jonna lief locker im 15er-Rhythmus, doch dann entwickelte sich Mitte der zweiten Kurve ein Zweikampf zwischen Jonna Tilgner und Tina Kron vom SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken. „Die eine (Kron) wollte vorbei, die andere (Tilgner) wollte sie nicht vorbei lassen. So ging der Rhythmus verloren“, erklärte Trainer Jens Ellrott die 56er Zeit seines Schützlings. Dennoch siegte Jonna Tilgner mit gutem Vorsprung vor Tina Kron (56,79 Sekunden).
Am Sonntag will sich Jonna Tilgner zunächst einmal ihren Startplatz in der 4x400-Meter-Staffel beim Europacup sichern. „Ein Doppelstart in Annecy ist bei Jonnas bisherigen Trainingswerten ohne weiteres möglich“, erklärt Jens Ellrott. Und wenn die deutsche Staffel in Frankreich unter die 16 Besten der Welt läuft, führt hierüber für Jonna Tilgner im Zweifel ein zweiter Weg nach Peking.
