Carolin Nytra läuft Olympia-Norm

01.06.2008: (mg) - Um kurz nach 16 Uhr war die Welt für Carolin Nytra heute himmelblau. Also noch etwas heller als die Laufbahn des Berliner Olympiastadions, wo die Bremerin beim ISTAF als Sechste gerade in 12,92 Sekunden die Olympianorm über 100 Meter Hürden gelaufen war.

 „Ich bin total happy“, teilte die Athletin vom Bremer LT / TuS Komet Arsten den ARD-Fernsehzuschauern im Interview mit, was angesichts der Entwicklung im bisherigen Saisonverlauf nicht verwunderlich ist. 12,93 Sekunden vor einer Woche beim „Run for Help“ des SV Werder auf Platz 11 und jetzt gleich die erste richtige Chance beim Schopfe gepackt: 12,92 Sekunden ist die DLV-Norm auf den Punkt genau. Und selbstverständlich persönliche Bestzeit und Bremer Landesrekord … und das Ganze bei optimalen Wetterbedingungen mit 0,8 Meter pro Sekunde Rückenwind.

 Auf Bahn eins als einzige, derzeit schnellste Deutsche vorgestellt und neben ihr die versammelte Weltspitze – das war schon ein Aufreger für Carolin Nytra. „Ich war sehr nervös, vor allem nachdem ich mich mit den ¢schwarzen Katzen¢, so die Bezeichnung meines Bundestrainers für die farbigen Athletinnen, zusammen aufgewärmt hatte. Und dann bin ich beim Probestart noch gegen die erste Hürde gelaufen … Aber dann galt halt: verpatzte Generalprobe, gelungene Premiere“, fasste die 23-Jährige ihren Auftritt vor 67.000 Zuschauern zusammen.

 Ihr Trainer Jens Ellrott war nicht weniger nervös, hatte jedoch das Gefühl, dass seine Athletin mit der Situation prima fertig wurde: „Caro hat sich das erste Mal seit langer Zeit nicht beeindrucken lassen. Sie stand enorm unter Spannung, war aber innerlich ganz ruhig“, gab der Coach Auskunft über das vermeintliche Gefühlsleben seiner Athletin. Der Abstand zur absoluten Weltspitze ist für Carolin Nytra nur noch im ersten Drittel des Rennens zu spüren. Danach bleibt sie auf Augenhöhe und läßt sich von den schellen Läuferinnen ziehen. Beim ISTAF-Golden-League-Meeting waren dies überraschend die junge Spanierin Josephine Onyia als Siegerin in 12,50 Sekunden noch vor der Favoritin Susanna Kallur aus Schweden in 12,54 Sekunden.
 
Doch das ist noch nicht die Blickrichtung von Carolin Nytra. Denn auf solch eine Weltklasse-Besetzung wie gestern in Berlin wird sie so schnell nicht wieder treffen, jetzt muss erst die DLV-Norm ein zweites Mal her. Doch seit gestern hat selbst Carolin Nytra daran kaum noch Zweifel: „Irgendwo in den nächsten fünf bis sechs Wochen krieg’ ich das wohl noch irgendwie hin.“ Die nächsten Gelegenheiten dazu bieten sich am kommenden Freitag in Kassel, wo auch Carolin Nytras Vereinskameradin Jonna Tilgner über 400 Meter Hürden ihren ersten Anlauf auf die Olympianorm nehmen wird. Am Sonntag darauf läuft Carolin Nytra dann in Regensburg.