Gabriele Rost-Brasholz (W65) erkämpft einmal Gold und dreimal Silber bei der Straßenlauf-EM im tschechischen Upice

29.05.2013: (mg) - Ein Erlebnisbericht von Gabriele Rost-Brasholz, einziger Bremer Teilnhmerin in Upice:


Die für die LG-Bremen Nord startende Gabriele Rost-Brasholz nahm an der Straßenlauf-EM in Upice vom 24. - 26. Mai teil. Insgesamt nahmen ca. 700 LäuferInnen und etwa 300 GeherInnen an den Wettkämpfen teil. In der Läufergruppe stellte die deutsche Mannschaft mit 184 Teilnehmern die größte Gruppe, gefolgt vom tschechischen Gastgeberland mit 161 Athleten.

Upice, eine knapp 6000-Einwohnerstadt, liegt im Riesengebirgsvorland. Dort wurden bereits zum dritten Mal seit 1993 die EM-Straßenlaufmeisterschaften ausgetragen, ebenso EM- und WM-Berglaufmeisterschaften. Die vorhandene Infrastruktur ist noch weit hinter dem mitteleuropäischen Standard, vergleichbar mit den 60er Jahren in Deutschland, was sich besonders bei den sanitären Einrichtungen und Unterbringungsmöglichkeiten zeigte. So konnten die Sportler nach den Wettkämpfen nur nach Einwurf von 20 Kronen duschen und erhielten dafür kaltes Wasser! Auch das angebotene hügelige Streckenprofil für solche Meisterschaften entspricht nicht den Erwartungen.  

Gabriele Rost-Brasholz startete am ersten Wettkampftag über die Zehn-Kilometer-Distanz. Der Kurs führte vom Marktplatz in Upice zunächst über 500 Meter holpriges Kopfsteinpflaster steil abwärts, erstreckte sich dann über leicht hügelige Asphaltstraßen zum Fünf-Kilometer-Wendepunkt. Von dort ging es zurück zum Marktplatz, nun steil bergauf. Zunächst kam die Bremerin sehr gut ins Rennen und lief bis zu Kilometer drei mit der favorisierten Niederländerin Els Raap gleichauf. Kurz darauf sah sie allerdings alle Chancen auf ein gutes Abschneiden schwinden, da sich plötzlich ein stechender Schmerz in der linken Wade bemerkbar machte und sich dermaßen verstärkte, dass sie sich nur noch humpelnd vorwärts bewegen konnte. An der Wendemarke sah sie, dass zwei ihr bekannte Konkurrentinnen stark aufgeholt hatten und nicht mehr weit hinter ihr lagen.
 
Gabriele Rost-Brasholz versuchte, auf dem Rückweg wieder in einen normalen Laufrhythmus zu kommen. Dabei musste sie ihre Geschwindigkeit deutlich drosseln. Die letzten 500 Meter steil bergauf zum Ziel zwangen sie, nochmals alle Kräfte zu mobilisieren. Im Ziel erfuhr sie, dass sie den zweiten Platz in der Altersklasse W65 verteidigt hatte, nur 15 Sekunden vor der Dritten, der Tschechin Miloslava Rocnakova. Damit gewann die LGN-Läuferin die Silbermedaille in der W65, wenn sie auch mit der erreichten Zeit von 53:07 Minuten weit unter ihren Möglichkeiten blieb. Gleichzeitig gewann sie damit noch die Goldmedaille mit der deutschen Mannschaft in der Teamwertung W65, zusammen mit Elfride Hodapp, LG Ortnau Nord, und Reintraut Rattay, LG Peiner Land.
 
Am nächsten Morgen sollte dann der 3x2-Kilometer-Crosslauf stattfinden, den die Bremerin aber verletzungsbedingt absagen musste. Sie wollte abwarten, ob sie am darauffolgenden Tag den Start über die Halbmarathonstrecke wagen konnte. Der Halbmarathonmorgen kündigte sich mit kühlen sechs Grad, Wind und Nieselregen an. Gabriele Rost-Brasholz wagte den Start und ging das Rennen ganz vorsichtig an, vor allem auf der steilen Abwärtspassage. Die verletzte Wade hielt dem Druck stand. Es gelang ihr, ein gleichmäßiges Tempo bis zum Ende beizubehalten. Am Wendepunkt sah sie, dass nur die Niederländerin Els Raap vor ihr lag, wie schon beim Zehn-Kilometer-Rennen. Gabriele Rost-Brasholz verteidigte ihre zweite Position bis ins Ziel und gewann die Silbermedaille in guten 1:52:10 Stunden, was sogar diesjährige Bestzeit ist.Als Sahnehäubchen gab es noch mit der deutschen Mannschaft in der W60 die Silbermedaille hinter den Schweizerinnen. Zum deutschen Team gehörten noch Irmgard Mann, LG Bitburg-Prüm (1:54:37) und Christa Schröder, TSV Krichdorf (2:05:56).